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Die Geschichte
der Firma KARL DEUTSCH
(von Prof. Dr. Volker Deutsch)

Prof. Dr. Volker Deutsch vor einem Gemälde, das seinen Vater Karl Deutsch zeigt
 
 Vorwort
Die Geschichte der Firma KARL DEUTSCH habe ich zum 40-jährigen Jubiläum 1989 in einer Schrift beschrieben, die inzwischen vergriffen ist. Eine von vielen gewünschte Neuauflage halte ich nicht für sinnvoll, weil die darin gezeigten "neuesten Geräte" heute schon wieder veraltet sind.


40 Jahre KARL DEUTSCH

Daher will ich noch einmal in verkürzter Fassung nur die Firmengeschichte von der schwierigen Zeit der Anfangsjahre bis zum heutigen Tag erzählen.

Auch diese Schrift widme ich wiederum dem Andenken meines Vaters Karl Deutsch und wiederhole den Dank an meine treuen Kunden, meine tatkräftigen Mitarbeiter und meine Familie für ihren Anteil an meiner erfolgreichen Arbeit.
 So begann es
Nach schlimmen Kriegsjahren und einer chaotischen Zeit danach wurde es allmählich wieder normal in Deutschland. Seit kurzem gab es neues Geld, wenig zwar, aber man konnte dafür wieder etwas kaufen. Die Preise blieben stabil und Arbeit schien wieder lohnend zu werden. Manche hatten es mit Glück und Geschick fertiggebracht, Eigentum, Heimat und Freundeskreis zu bewahren. Viele hatten alles verloren bis auf Arbeitswillen und Schaffenskraft - und das setzten sie nun voller Optimismus ein.

Zu denen gehörte auch mein Vater, Karl Deutsch. Er war, geboren 1900 in Wittenberge/Prignitz, schon nicht mehr der Jüngste, hatte sein ganzes Vermögen im Osten Deutschlands verloren, war aber froh, seine Familie heil durch Bombenhagel, Flucht und Schwarzmarktzeit gebracht zu haben. Gleich nach dem Zusammenbruch suchte er wieder Arbeit, kam dabei immer weiter westwärts und wurde 1946 im sauerländischen Neuenrade Geschäftsführer eines Drahtwerkes. Der dort gefertigte Draht aus einer speziellen Aluminiumlegierung eignete sich zum Metallspritzen. Dieses Fertigungsverfahren begann ihn zu interessieren, zumal durch seine Anwendung verschlissene Bauteile wieder verwendbar gemacht werden konnten. Darin schien Zukunft zu liegen.


Karl Deutsch (auf der Hannover Messe 1951)

Karl Deutsch war ein ideenreicher Ingenieur. Er machte sich daran, den auf diesem Gebiet nicht besonders ansehnlichen Stand der Technik zu verbessern.

Die Konstruktion einer neuen Spritzpistole entstand mit einem ganz neuen Draht-Transport - seine erste Patentanmeldung nach dem Kriege. Ein Prototyp wurde gebastelt und er funktionierte.
 Das erste LEPTOSKOP
Bei ersten Betriebsversuchen erwies es sich als wünschenswert, die Gleichmäßigkeit der gespritzten Schicht messen zu können. Ein Schichtdickenmessgerät musste her, aber es gab keins. Hilfe dabei erhoffte er sich vom Institut für Werkstoffkunde der TH Hannover, das sich auch mit dem Metallspritzen befasste. Als der Institutsleiter aber auch nicht weiterhelfen konnte, schlug dessen Oberingenieur vor, so etwas doch gemeinsam selbst zu bauen. Erstaunlich schnell entstand ein brauchbarer Prototyp. Eine Werkstatt für den Bau der ersten kleinen Serie war schnell gefunden. Den Namen "LEPTOSKOP" erfand man bei einer Bierrunde. Einer prahlte mit Resten humanistischer Bildung : "leptos" ist das griechische Wort für dünn. Mit diesem Gerät meinte Karl Deutsch die Basis für eine zukünftige Existenz zu haben.

Schon auf der Hannover-Messe 1948 leistete er sich einen Ausstellungsstand, "ganz klein, ganz hinten und ganz dicht beim Lokus, daher billig, aber jeder musste mal dran vorbei" - so erzählte er später oft. Und dort hatte er eine glückliche Begegnung. Er traf leitende Mitarbeiter der damals sehr bedeutenden Stuttgarter Handelsfirma Hahn & Kolb. Man kannte sich aus gemeinsamer Arbeit während der Kriegsjahre. Wohl mehr aus Mitleid entstand das Angebot, die Leptoskope zu vertreiben. In Wuppertal, dort wohnten wir inzwischen, traf man sich wieder, ein Auftrag über 25 Geräte wurde erteilt und außerdem erhielt Karl Deutsch das Angebot, im Vertrieb für die Firma mitzuarbeiten. Er wollte wieder selbständig sein und gründete am 13. Mai 1949 seine neue Firma. Die wies im Untertitel "Spritz- und Schweißanlagen" als Unternehmensziel aus.

Die Vertretung machte viel Arbeit, brachte natürlich auch etwas ein und ließ wichtige Industrie-Kontakte wachsen. Einmal zeigte der Leiter der Versuchsanstalt eines kleinen Stahlwerks einen Artikel aus einer Fachzeitschrift vor, in dem das Sperry-Reflectoscope beschrieben wurde, das erste Ultraschallprüfgerät der Welt, entstanden während des Krieges, entwickelt zum Auffinden von Dopplungen in Panzerplatten. Er meinte, so etwas könnten auch die deutschen Stahlwerke gut brauchen - "mindestens 10 Geräte müssten in Deutschland zu verkaufen sein".

Diesen Zeitungsartikel trug Karl Deutsch bei sich, als einige Tage später ein junger Mann namens Branscheid bei ihm vorsprach und sich anbot, "etwas Elektronisches" zu bauen. Er war nämlich Funker bis Kriegsende gewesen und hatte aus den Restbeständen seiner Einheit ein beachtliches Lager an Elektronenröhren "behalten". Ihm zeigte Karl Deutsch den Zeitungsartikel, Branscheid war begeistert und bot an, innerhalb von 6 Monaten für 5.000,- DM so ein Gerät zu bauen. So schnell ging's dann doch nicht und viel teurer wurde es auch. Aber man kam voran, Versuche verliefen positiv - bis alles zu scheitern drohte: In Düsseldorf hielt ein damals unbekannter Mann, Dr. Josef Krautkrämer, einen Vortrag über Ultraschallprüfung. Der hatte auch so ein Gerät entwickelt und - schlimmer noch - der war offenbar schon fertig.

 Der ECHOGRAPH
Karl Deutsch und Branscheid machten dennoch weiter und brachten ihr Gerät unter dem Namen ECHOGRAPH heraus. Unvergesslich wie es zum ersten Auftrag kam: Man führte das Gerät in einer Freiformschmiede im Oberbergischen am Rohling einer großen Kurbelwelle vor. Der mutigen Diagnose eines Innenfehlers schenkte der Hersteller zwar keinen Glauben, erklärte sich aber bereit, die angezeigte Stelle aufsägen zu lassen. "Wenn kein Fehler da ist, zahlt Ihr den Schaden". Bei dem Kran-Transport zur Säge rutschte die Welle aus den Seilen, schlug mit einem Ende auf den Hallenboden und brach genau an der gezeichneten Stelle. Ein großer Innenriss trat zutage. Der Chef der Firma gab den Auftrag gleich mit, bemerkte aber: "Wehe, Ihr verkauft diese Dinger auch an unsere Kunden."

Weitere Erfolge kamen fast zwangsläufig. Bald wurde Branscheids zum Labor umgerüstetes Gartenhaus zu klein. Karl Deutsch entschloss sich, die Fertigung selbst zu übernehmen, damit Branscheid sich der nötigen Weiterentwicklung widmen konnte. Er mietete in der Nähe seiner Wohnung die Räume einer ehemaligen Metzgerei. Zu seiner Sekretärin kamen nun drei weitere Mitarbeiter.

Die Aufwärtsentwicklung wurde 1955 jäh unterbrochen. Ein Patentstreit um den ECHOGRAPH brach aus. Zu allem Unglück wurde Branscheid durch einen Autounfall arbeitsunfähig. Einen Prozess gegen einen amerikanischen Giganten konnte sich Karl Deutsch nicht leisten, er verlegte sich aufs Verhandeln und sah sich nach anderen Entwicklungen um. Mangel an neuen Ideen hatte nie geherrscht: Über ein Gerät zur Vermessung von Zahnrädern war schon lange diskutiert worden, auch über kontinuierliche Banddickenmessung, über die Ermittlung von Oberflächenrauheiten, über die Möglichkeit, die Kräfte hydraulischer Pressen zu kontrollieren, ja sogar über Konstruktionen, die man heute als elektronische Zerreißmaschinen bezeichnen würde. Das Entwicklungsprogramm stand im umgekehrten Verhältnis zu den technischen und finanziellen Mitteln. Das LEPTOSKOP und die Vertretung reichten zum Überleben.

 Rissprüfung DEUTROFLUX
Ein glücklicher Zufall half weiter: In einem Düsseldorfer Presswerk hatte ein pfiffiger Werkstoffprüfer eine neuartige Vorrichtung zur Magnetpulver-Rissprüfung gebastelt. In einem Topf wurde durch geschickte Pressluftzufuhr trockenes Magnetpulver in einen flüssigkeitsähnlichen Zustand versetzt. In dieses Bad konnten magnetisierte Prüflinge eingetaucht werden. Risse markierten sich spontan und ließen sich hell leuchtend erkennen. Karl Deutsch begriff die Möglichkeiten des "Wirbeltopfes" sofort. Er machte eigene Versuche, optimierte die Druckluftzufuhr, seine Erfahrungen aus dem Gebläsebau kamen ihm dabei zu Hilfe. Ein Gerätekonzept entstand, Vorführungen lösten begeisterte Zustimmung aus. Das Verfahren erschien optimal zur Prüfung von Schmiedestücken. Und dafür war Bedarf, denn die deutsche Autoindustrie wuchs von einem Boom in den nächsten. Karl Deutsch fand einen geeigneten Fertigungsbetrieb und brachte seine DEUTROFLUX-(DEUtsch-TROcken-FLUX)-Geräte heraus.

Als Ergänzung ließ sich das schon früher entwickelte Risstiefen-Messgerät RMG gut verkaufen. Nun wurde auch die alte Metzgerei zu klein. In einer zugrunde gegangenen Barmer Textilfabrik waren größere Räume zu haben. Die wurden hergerichtet, waren viel zu groß für die 12 Mitarbeiter. Aber Karl Deutsch setzte auf Wachstum, er erwartete meinen Eintritt in die Firma.

 Der erste Generationswechsel
Ab 1953 hatte ich an der RWTH Aachen Maschinenbau studiert, war nach dem Diplom nach Hannover gewechselt, wo ich am Institut für Werkstoffkunde bei Prof. Matting 1961 promovierte.

Ich hatte mein mageres Assistentengehalt mit vielen Arbeiten für die Amtl. Material-Prüfanstalt verdient. So wurden fast vier Jahre zu einem überaus nützlichen Praktikum über alle Verfahren der Werkstoffprüfung. Ich half auch dabei, die ersten Kurse der DGZfP außerhalb Berlins zu organisieren.

Mein Vater hatte schon vor meinem Eintritt in die Firma die Bindung an Hahn & Kolb gelöst. Er wollte sich ganz auf die eigenen Produkte konzentrieren. Nun mussten gemeinsam die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Das Programm wurde gestrafft, das Rauheitsmessgerät MICROGEOMETER mitsamt Patent verkauft, Elektropoliergerät POLIMAT und Pressenkraft-Kontrollgerät eingestellt, alle Aktivitäten außerhalb der ZfP aufgegeben. Das galt sowohl für die Längen- und Abstands-Messung mittels magnetinduktiver Sonden als auch für medizinische Applikationen der Ultraschalltechnik. Meinem Vorschlag, Ultraschall generell aufzugeben und sich ganz auf die damals viel einträglichere Rissprüfung zu beschränken, widersetzte sich mein Vater. "Zwei Beine" hielt er für standfester als eines. So beschlossen wir, dafür fähige Elektrotechniker einzustellen, die den Entwicklungsrückstand aufholen und den Einstieg in die Transistortechnik schaffen sollten.

Vor allem musste die Basis der Firma erweitert und die regionale Beschränkung überwunden werden. Daher begann ich meine Tätigkeit mit vielen Reisen im In- und Ausland, führte Geräte vor, suchte und fand Kontakte und Freunde. Viele fachliche Diskussionen führten wiederum zur Verbesserung der Produkte. Der Erfolg blieb nicht aus. Jährliche Umsatzsteigerungen zwischen 10 und 25 % - heute unvorstellbare Traumzahlen - ließen die Mitarbeiterzahl wachsen. Schon 1967 konnte der erste eigene Neubau geplant - und finanziert - werden.

 Maßvolles Wachstum
Mein Vater hatte mir die Firma längst übergeben. Den Einwand seines wirtschaftlichen Beraters: "Ihr Sohn kann Sie jetzt rausschmeißen", wischte er mit einem "Das riskiere ich" vom Tisch. Die Firma wuchs. Eine Organisation wurde entwickelt, EDV eingeführt, viele fähige Mitarbeiter kamen - und die meisten blieben. 1977 waren von den fast hundert Beschäftigten mehr als dreißig 10 Jahre und länger dabei. Die Expansion vollzog sich durchaus maßvoll, sie wurde im wesentlichen aus eigenen Finanzmitteln bezahlt, Karl Deutsch hatte etwas gegen Verschuldung.

Die Aufwärtsentwicklung ging weiter. Werk 1 wurde schon 1971 zu klein und durch einen 4-geschossigen Anbau erweitert. Für den immer stärker wachsenden Prüfanlagenbereich wurde 1979 Werk 2 errichtet.

Mein Vater verstarb 1974 ganz plötzlich und unerwartet. Die Erweiterung von Werk 1 hatte er noch miterlebt, auch die Gründung der ersten ausländischen Tochterfirma in Schweden.

Das Ende des Kernreaktorbaus in Deutschland nach dem Tschernobyl-Desaster, der Dollarverfall, der Strukturwandel der Deutschen Wirtschaft und nach der politischen Wende der Verlust der osteuropäischen Märkte beeinflussten auch die Situation der Firma KARL DEUTSCH. Aber die meisten Firmen unserer Branche wären froh, diese widrigen Umstände so gut überstanden zu haben wie wir.

Ein Glanzlicht 1999 war das 50. Firmenjubiläum. Für die Angestellten wurde ein großes Fest organisiert und selbstverständlich wurde die Gelegenheit genutzt, um allen guten Kunden zu danken, die für den Erfolg eines Unternehmens entscheidend sind. Mehr als 150 Kunden und interessierte Freunde folgten unserer Einladung in unsere zwei Werke in Wuppertal. Zusätzlich zu Speis und Trank wurde als technisches Thema "Systeme für die Überschallprüfung von Rohren und Stangen" gewählt - vorgestellt von einer KARL DEUTSCH - Abteilung mit jahrzehntelanger Erfahrung, um auch dadurch ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr zu feiern.

 Der zweite Generationswechsel
Mein ältester Sohn Wolfram hat sein Doktorandenstudium in den USA im Jahr 1998 erfolgreich beendet. Seine Abschlussarbeit an der Technischen Hochschule Hannover und seine Doktorarbeit an der Northwestern University, IL, befassten sich beide mit Themen der Zerstörungsfreien Werkstoffprüfung. Zusammen mit dem bewährten Führungsteam H.W. Krümmel and Dr. M. Platte werden wir unseren erfolgreichen Weg fortsetzen.

 KARL DEUTSCH heute
Immer noch werden alle Produkte in Deutschland gefertigt und immer noch werden über 60 % exportiert - in nahezu alle Industrieländer der Welt. Dabei sind eigene Tochterfirmen und gut eingeführte sachkundige Vertretungen behilflich.

Und immer noch ist die Firma KARL DEUTSCH ein mittelständisches, konzernunabhängiges Familienunternehmen.

>> Unser Weg: Die Meilensteine auf dem Weg der Firma KARL DEUTSCH

Aktuelle Termine


13.-17. November 2017
15th APCNDT, Singapur

16.-20. April 2018
Tube 2018, Düsseldorf

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11.-15. Juni 2018
12. ECNDT, Göteborg

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